Empathie hilft

18. April 2013

Eine Einkaufsliste, die ich meinem Mitbewohner für den WG-Einkauf in die Hand drücke, sieht anders aus als die Liste, mit der ich meine Tante zum Einkaufen schicke, die nach zehn Jahren für eine Woche zu Besuch ist. Der eine weiß ganz genau, was wir immer kaufen, die andere hat davon keine Ahnung. Dem einen reicht eine reine Aufzählung der fehlenden Dinge, während das Besorgen von „Brot, Butter, Käse, Wein“ für die Tante eine echte Herausforderung ist und Fehlkäufe oder „Flops“ vorprogrammiert sind. In dieser Situation hilft Empathie, und zwar auf beiden Seiten (ein Handy mitnehmen hilft auch, aber das ist ein anderes Thema):

  • Beim Schreiben der Einkaufsliste durch ergänzende Zusatzinformationen
    (italienischer Wein bis 10.- €)
  • Beim Einkaufen durch Phantasie und das BemĂĽhen, sich in die Verbraucher der zu besorgenden Produkte zu versetzten und ihre möglichen Vorlieben zu erraten
    (zum Frühstück gab es Vollkornbrötchen, also wird auch ein Vollkornbrot gekauft)

Dabei kommt Empathie in der Variante der Perspektivenübernahme zum Einsatz, einer Technik bzw. Fähigkeit aus der Sozialpsychologie und dem Psychodrama, bei der man sich in die Rolle und Position eines anderen hineinversetzt und versucht, die Welt aus dessen Sicht zu sehen. Die gleiche Haltung beschreibt diese indianische Redensart „Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gegangen bist“.

Der letzte Absatz stammt aus dem Artikel ĂĽber Empathie in Wikipedia, und bevor ich jetzt weiterzitiere, hier gleich der Link http://de.wikipedia.org/wiki/Empathie.

Empathie hilft also beim Schreiben und Umsetzen von Alltagsnotizen, aber auch ganz generell beim Schreiben und Texten: Was einer schreibt, soll ein anderer verstehen – klassische Anwendung der Fähigkeit, Interesse, Gedanken, Haltungen, Gefühle,  und Absichten eines anderen Menschen zu erkennen und zu verstehen.

Deshalb hilft Empathie auch beim Schreiben.

Die NĂĽtzlichkeit der Einkaufsliste

02. April 2013

Ostern hat uns eine Reihe von vier Feiertagen beschert. Viele von uns bemĂĽhten sich, diese willkommene Pause frei von Alltagspflichten wie Einkaufen zu halten. Am GrĂĽndonnerstag waren deshalb verstärkt Einkaufslisten im Einsatz  –  im Kopf, auf Papier oder als elektronische Varianten.

Die Einkaufsliste als solche, auch die schriftliche, bietet keine Garantie dafür, dass nach dem Einkauf alles Notwendige im Haus ist: Es kann passieren, dass man bereits beim Erstellen der Liste etwas vergessen hat, dass man beim Abarbeiten der Liste etwas übersieht, dass einige Artikel der Liste nicht vorrätig sind und die Suche nach Ersatzartikeln erfolglos bleibt.

Letzteres steckt auch oft dahinter, wenn Sie in einem Supermarkt jemanden telefonieren hören und sehen: Die Einkaufsliste wurde von jemand anderem geschrieben und diese Person muss in Zweifelsfällen gefragt werden, weil nur sie weiĂź, wozu die Einkäufe verwendet werden sollen: Wenn es keinen „frischen Spinat“ gibt, darf es dann auch TiefkĂĽhl-Spinat sein? Oder wäre frischer Mangold die bessere Wahl? Ein weiteres Dilemma kann entstehen, wenn auf der Liste „1 l frische Milch“ steht, denn das KĂĽhlregal bietet mehrere Varianten: Vollmilch, fettarme Milch, beides auch in der ESL-Version, was zusätzlich die Frage aufwirft, ob Milch mit längerer Haltbarkeit noch „frische Milch“ ist – und an dieser Stelle nicht vertieft und schon gar nicht geklärt wird.

Bei einer Einkaufsliste, die man für sich selbst schreibt, kommt es auf vorausschauende Planung und Sorgfalt an, Anpassungen und Veränderungen während des Einkaufens sind in diesem Fall ja kein Problem. Eine Einkaufsliste, nach der eine andere Person die Einkäufe erledigt, muss die Anforderung erfüllen, für diese Person ein optimales Hilfsmittel zu sein. Klare Vorgaben (nur frisches Brot, sonst keines), konkrete Hinweise (Sahne mit Haltbarkeit bis …) und Alternativen (Fleisch vom Huhn, von der Pute ist auch o.k.) müssen so formuliert sein, dass sie ohne Schwierigkeiten ausgeführt werden können. Kriterien, die einem selbstverständlich erscheinen (das darf höchstens 3.- € kosten), müssen anderen vermittelt werden. Das gelingt nur durch Empathie mit der Person, die einkauft. Wird eine Einkaufsliste für die Nachbarin, das eigene Kind oder den Ehemann geschrieben, muss sie durch Anmerkungen ergänzt werden, die für diese Person notwendig und hilfreich sind.

Denn: Erklärungsbedürftige Einkaufslisten sind nicht nützlich.

Schreiben schafft Klarheit

28. Februar 2013

Beim Schreiben kommt es vor, dass die Worte nicht einfach so aus der Feder fließen. Klarheit stellt sich durch das Schreiben oder während des Schreibens nicht automatisch ein. In der geschriebenen Form ist es nur leichter zu erkennen, wenn Gedanken und Aussagen unverständlich, unpräzise, undifferenziert oder sogar falsch dargestellt sind. Notizen müssen genau und ausführlich sein, damit sie auch noch nach langer Zeit nachvollziehbar sind und als Entscheidungsgrundlage dienen können.

FĂĽr einfache Sachverhalte eignet sich eine Variante, die effektiv und nicht sehr aufwendig ist: Das Notieren der abgeleiteten Konsequenzen ist dabei wichtiger als die Dokumentation des Geschehenen. Ein anschauliches Beispiel dafĂĽr ist ein Kindergeburtstag:

Nachdem sie den 10. Geburtstag ihrer Tochter zu Hause mit 20 Kindern gefeiert hatte, zog die Mutter folgendes Resümee: Ich bin völlig fertig, die Vor- und Nacharbeit war viel zu umfangreich, die Kinder waren laut und chaotisch, nie haben alle mitgemacht und es war sehr schwer, alle im Blick zu haben. Dass nichts Ernstes passiert ist und keine größeren Schäden entstanden sind, war einfach nur Zufall.

Warum die Feier so abgelaufen ist, bleibt unklar. Aus diesem ResĂĽmee kann nur folgen, dass es kein Kindergeburtstagsfest zu Hause mehr geben wird.

Will die Mutter es beim nächsten Mal besser machen, muss sie die Gründe für den Chaos-Geburtstag analysieren, notieren sollte sie die daraus abgeleiteten konkreten Vorgaben. So entsteht eine Art Checkliste, die ein Jahr später erst Entscheidungshilfe und dann Mittel zur Umsetzung ist:

  1. UnterstĂĽtzung durch 2. Person ist notwendig
  2. Zimmer teilweise ausräumen und passend zum Kindergeburtstag ausstatten
  3. Kinder nicht nur bedienen, sondern mitmachen lassen
  4. Höchstens 10 Kinder einladen

Die Mutter muss sich vielleicht gegen ein Fest entscheiden,
z. B. weil niemand sie dabei unterstützen kann. Kann sie die Erfahrungen des letzten Jahres berücksichtigen und sieht sie deshalb gute Chancen, dass die Geburtstagsfeier in diesem Jahr gelingt, wird es ihr mit der Checkliste leicht fallen, das Fest so zu organisieren, dass es allen gefällt.

Schreiben schafft Klarheit

Schreib mal wieder

31. Januar 2013

Das Jahr 2013 hat sich warmgelaufen, mein Blog noch nicht. Das brachte mich auf die Idee, Bloggade in Google einzugeben – ich lebe in Franken. Naheliegende, aber keineswegs zwingende Voraussetzung für diese Idee: Es gibt Beiträge dazu aus Berlin und aus Köln, ebenso aus der Schweiz. Im Dänischen scheint es tatsächlich das normale Substantiv zu sein für das, was Blogger eben tun.

Die Google-Suche war eine völlig unnötige Ablenkung, denn ich schreibe gern. Was ich schreibe, wird auch gern gelesen. Darauf komme ich zurück. Heute geht es mir um Folgendes: Schreiben schafft Klarheit und das gilt selbstverständlich auch für die Klarheit über sich selbst. Es lohnt sich, Ideen, Pläne, Ziele, Veränderungswünsche etc. aufzuschreiben. Dabei ist es egal, ob es um den nächsten Kindergeburtstag geht oder um die Neuorientierung im Beruf oder im Privatleben. Je ausführlicher die Beschreibung ist, je genauer dokumentiert und argumentiert wird, desto nützlicher sind diese Notizen für die Klarheit, die daraus entsteht.

In diesem Sinne ist der alte Post-Slogan ganz aktuell:
Schreib mal wieder!